Museumsvisonen Peter Raues:
auch noch Neubau für Kunst des 21. Jahrhunderts

Im Tagesspiegel vom 8.6.2014 macht sich der Berliner Rechtsanwalt Peter Raue [→Wikipedia, →lokalpatriotische Hagiographie] Gedanken, was in einem noch fehlenden Berlingesetz festgeschrieben werden soll.

Neben der Übernahme der Berliner Philharmoniker durch den Bund geht es um die zukünftige Museumslandschaft Berlins, und damit um Kulturforum, Gemäldegalerie und den Ort für die Moderne. Peter Raue zieht wieder die uralte Forderung aus dem Hut, dass die Gemäldegalerie der Moderne Platz machen soll. Aber er geht noch weiter.

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Herr Raue war Gründer und langjähriger Vorsitzender des finanzkräftigen und einflussreichen Vereins der Freunde der Nationalgalerie.

Mit seiner Forderung nach Verdrängung der Gemäldegalerie durch die Moderne folgt er den Visionen des ehemaligen Museumsschefs Peter-Klaus Schuster von Ende April 2014 [→Blog]. Beide lehnen damit explizit die Richtungsentscheidung der Stiftungsleitung für einen Neubau am Kulturforum für die Kunst des 20. Jahrhunderts ab [→Presseerklärung SPK]. Peter Raue schreibt im Tagesspiegel:

Man darf erwarten, dass der Gesetzgeber (…) den Ausbau der Museumsinsel festschreibt mit der Verpflichtung, einen weiteren Neubau gegenüber dem Bode-Museum zu finanzieren, um endlich den Umzug der Gemäldegalerie und damit der bildenden Kunst von der frühen Renaissance bis in das 18. Jahrhundert auf die Museumsinsel zu sichern.

und

Dass die Nationalgalerie mit ihrer im Untergeschoss liegenden Ausstellungsfläche nicht einen Bruchteil der Sammlung des 20. Jahrhunderts zeigen kann, die Gemäldegalerie diesem Jahrhundert und einem (sic!) Neubau dem 21. Jahrhundert Platz bieten muss, ist längst ausgemacht.

Er versucht hier unterschwellig, das Kulturforum auch zu einem Ort des 21. Jahrhunderts zu machen. Diese Forderung ist neu.

Sie stellt eine der Öffentlichkeit immer wieder vorgetragende Begründung eines Museums des 20. Jahrhunderts in Frage: der Hamburger Bahnhof solle zu einem reinen Museum des 21. Jahrhunderts werden. Deshalb sollen Künstler wie Anselm Kiefer und Joseph Beuys ans Kulturforum wandern. Was will Herr Raue aber dann mit dem frei geräumten Hamburger Bahnhof machen? Wozu dient dann die frei geräumte Neue Nationalgalerie? Für immer gigantischere Ausstellungen am laufenden Band? Aber wozu finanzieren die Bürger denn den Gropiusbau?

Für seine Absage an die Richtungsentscheidung vom August 2013 und die Aufnahme auch der Kunst des 21. Jahrhunderts am Kulturforum versucht er, die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu vereinnahmen, ähnlich wie es 7 Wochen vor ihm auch Museums-Generaldirektor Emeritus Peter-Klaus Schuster [→Welt] getan hat:

Der Bundestag sollte die entschiedene und kluge Forderung der Kulturstaatsministerin Monika Grütters ernst nehmen und umsetzen und damit die Voraussetzung zu schaffen, um das Kulturforum zu einer Stätte des 20. und 21. Jahrhunderts zu verwandeln.

Aber wo soll Frau Grütters denn bitte gefordert haben, das 21. Jahrhundert am Kulturforum anzusiedeln? Das findet sich in keinem der vielen Interviews dieses Jahres. Außerdem hat Frau Grütters wiederholt den von der Stiftung beschlossenen Neubau eines Museums des 20. Jahrhunderts am Kulturforum verteidigt. Vom Einzug der Moderne in die Räume der Gemäldegalerie war bei ihr nicht mehr die Rede. Sie scheint allerdings einen Standort für den Neubau vorne an der Potsdamer Straße zu befürworten, statt im Hinterhof der Neuen Nationalgalerie an der Sigismundstraße. Der Umzug der Gemäldegalerie an die Museumsinsel ist für Frau Grütters ein sehr viel späterer Schritt, eine langfristiges Ziel. [1][2][3][4][5][6]

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